editionformform / NISHIKAWA FURNITURE zeigt KPM Technisches Porzellan / Sammlung Eberhard Schulz
17. November - 22. Dezember 2018

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KPM Technisches Porzellan / Sammlung Eberhard Schulz


Um 1775 begann die Geschichte des Technischen Porzellans der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM).
Die umfangreiche Sammlung von Eberhard Schulz gibt einen Einblick in die Zusammenarbeit von Manufaktur und Nützlichen Wissenschaften.

Es sind die „spezifische(n) Eigenschaft(en), die Brauchbarkeit bei hohen Temperaturen, die Beständigkeit bei schroffem Wechsel von Wärme und Kälte, der Widerstand der Glasur gegen Säuren und Laugen und nicht zuletzt die leichte Reinigung...“ /1, was die Leistungsfähigkeit des Porzellans ausmacht.

Genau diese Fähigkeiten waren für die Weiterentwicklung der Nützlichen Wissenschaften im 18. Jahrhundert oft von entscheidender Bedeutung. Die Manufaktur nutzte diesen Vorteil und begann um 1775 Geräte für die Bereiche Chemie und Physik herzustellen. Dabei entstand eine Zusammenarbeit zwischen Manufaktur und Wissenschaft, die so gesehen schon damals dem Grundsatz Form folgt Funktion entsprach. Das wohl älteste Exponat der Sammlung Eberhard Schulz zeigt ein sogenanntes „Koppchen“, datiert um 1780/90. Zu dieser Zeit produzierte KPM bereits Gefäße, Trichter, Schalen und ähnliches. Im selben Jahr bestellte der „Chemiker und Physiker Franz Karl Achard (1753–1821), der auf seinem Gut Kaulsdorf bei Berlin an der Gewinnung des Zuckers aus der Runkelrübe experimentierte,.... porcelaine Schmelztiegel mit porcelainen Deckeln“ /2, denn es brauchte neutrales Geschirr für die Zuckergewinnung.

Im 18. Jahrhundert nannte man Porzellan auch das „Weiße Gold“. Doch um eine Manufaktur zu gründen und dieses Material herstellen zu können, „war aber allemal (ein) sogenannter Arkanist notwendig, wie diejenigen genannt wurden, welche in das Geheimnis des Verfahrens eingeweiht waren und das derselbe leiteten.“ /3 Als Erfinder des europäischen Porzellans gelten heute „Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus“. Es gelang ihnen „am 15. Januar 1708 (...) das erste europäische Hartporzellan zu erzeugen. Nach Tschirnhaus’ Tod entwickelte Böttger das Verfahren in Meißen und Dresden weiter. Am 28. März 1709 vermeldete er in Dresden die Erfindung des europäischen Porzellans“. /4

„Man schrieb das Jahr 1763, als Friedrich der Große die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin in seinen Besitz übernahm, ihr ihren Namen und ihr Zeichen gab: das königsblaue Zepter.“ /5 Friedrich der Große hatte durchaus auch wirtschaftliche Interessen an der Manufaktur. Er steigerte die Qualität, in dem er Arbeiter und Künstler aus Meißen nach Berlin holte. Seine „ständige Mahnung alle erdenklichen Anstrengungen zu unternehmen, um den >>Debit<< zu forcieren, werden dazu beigetragen haben, daß sich die Manufaktur schon bald nach der Gründung auch der Herstellung von technischen Geräten (...) zuwandte.“ /6

Die Erfolgsgeschichte des technischen Porzellans hielt an. So wurden zum Beispiel mit der Einführung der Jacquard-Webstühle neue Formen für Webereien und Färbereien nachgefragt, „Baguettes und Weberaugen“ /7 fanden Eingang in das Sortiment der KPM. Die elektrotechnische Industrie ab Mitte des 19. Jahrhunderts führte zu einem weiteren Anstieg der Produktion, ein typischer KPM Porzellan-Isolator findet sich auch unter den zahlreichen Exponaten der Sammlung Eberhard Schulz.
Die Zusammenarbeit zwischen Manufaktur und Nützlichen Wissenschaften hatte sich zu einem Umsatzgarant entwickelt , im Jahr „1920 trugen die technischen Artikel zur Hälfte der Reineinnahmen bei.“ /8

Die Porzellanwerkstatt mit Eberhard Schulz und seiner Schwester Leonore Koepsell blicken auf eine 180-jährige Familientradition in Sachen Porzellan. 1838 von Carl August Dittman in Berlin gegründet sind sie seitdem von Generation zu Generation mit dem Weißen Gold verbunden: „ Meine Familie und mich faszinierte immer schon formvollendetes Technisches Porzellan und über Jahrzehnte wurden Abdampfschale, Kasserolle und Kugelmühle, hergestellt von der KPM Berlin, zusammengetragen. Es sind Meisterwerke an der Schnittstelle von Handwerk, Kunst und Design.“ /9

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

1 Berliner Porzellan, Erich Köllmann, Margarete Jarchow, München 1987, S. 213 ff
2 ebd.
3 Geschichte des Deutschen Kunstgewerbes, Jakob von Falke, 1888, Nachdruck 2016, S. 209 ff
4 https://de.wikipedia.org/wiki/Porzellan, Stand 21.10.2018
5 KPM, Hallesche Form, Verkaufsprospekt, Berlin, ohne Jahresangabe
6 Berliner Porzellan, Erich Köllmann, Margarete Jarchow, München 1987, S. 213 ff
7 ebd.
8 Berliner Porzellan im 20. Jahrhundert, Margarete Jarchow, Berlin 1988, S.108
9 Eberhard Schulz, Zitat, 2018

Porzellanwerkstatt Eberhard Schulz, Köln
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